Balaton Zeitung 2/06

Die deutschsprachige Zeitung für Ungarn

Schicht im Schacht - ein sehr untergründiger Krimi

Winterabende eignen sich vorzüglich, um sich einen Krimi nach dem anderen vorzunehmen.Vielleicht gerät man an eine Krimi-Reihe, eine der Spezialstrecken des Kölner Emons-Verlages. Hier werden seit einiger Zeit Autoren betreut, die sich auf Geschichten mit Lokalkolrit einer bestimmten Region verlegt haben.

Neu bei Emons ist Martin Conrath, Jahrgang 1959, aus dem Saarland. Nach seinem Debüt-Krimi "Stahlglatt" (2004), erschien vor einigen Wochen "Das schwarze Grab", der zweite Fall von Kommissar Bremer, der sich durchaus als ein Glücksgriff erwiesen hat. Mag der Titel auf den ersten Blick etwas reißerisch wirken, die Geschichte ist es nicht. Sie spielt im Milieu der Bergleute, einer für das Saarland bedeutsamen Zunft. Tausendsassa Conrath hat sich vor dem Schreiben Sachkundig gemacht und erzählt uns die Geschichte, die zu einem großen Teil unter Tage spielt in einer Weise, dass man sich auch als Laie die Situation tief in der Erde lebhaft vorstellen kann.

Ein scheinbar einfacher Mordfall an einer Frau in einer Bergarbeitersiedlung ist leider nur der Auftakt zu einerm Kriminalfall wesentlich größeren Ausmaßes. Es geht um nichts weniger als um das Schicksal des Bergbaus und das von Tausenden Bergleuten. Vor allem aus Gründen der Rentabilität ist beschlossen worden, einen der wichtigsten Schächte der Region stillzulegen. Da dies auch eine politische Angelegenheit ist, soll die Schließung in Anwesenheit zahlreicher Gäste in einem bereits stillgelegten Stollen zelebriert werden. Dann aber kommt so einiges dazwischen, Bremer und seine Leute haben alle Hände voll zu tun. Sie müssen sich mit Argumenten für und gegen den Bergbau beschäftigen und mit deren Protagonisten. So gewinnt dieser spannend erzählte Fall eine politische Dimension, die auch angesichts heutige Debatten über Energiepolitik nicht nur hochaktuell, sondern auch sehr informativ ist.

Erfreulich ist auch bei dieser Reihe, dass wir es mit einem außerordentlich sympathischen, ein wenig kantigen Kommissar zu tun haben, über den wir schon in "Stahlglatt" eine Menge erfahren konnten und in Zukunft gern noch mehr hören möchten.