Saarbrücker Zeitung Kultur, 5.5.04

Die Satanisten von der Saar

Martin Conraths Top-Krimi

Saarbrücken. Sieben Morde, zwei Tötungen aus Notwehr, ein Selbstmord, eine Entführung - keine schlechte Bilanz für einen ganz unamerikanischen Krimi. Der gebürtige Saarländer Martin Conrath macht seine Heimat zum Schauplatz einer spektakulären Verbrechensserie. Schon der erste Mord, die Enthauptung eines buddhistischen Food Designers mit einem Zeremonienschwert, wird zum "sensationellsten Mord" stilisiert, "den das Saarland je hatte". Was sich schnell als grobe Fehleinschätzung herausstellt. Die weiteren, rasch aufeinander folgenden Verbrechen überbieten sich an Bestialität: Kreuzigung, Verbrennung, Schächtung, Steinigung und dahinter ein glasklares Muster von religiösem Fanatismus. Die Spur führt zu den "Dämonen des Teufels", einer hinlänglich bekannten Satanistengruppe. Die Beweislage ist klar, drei Tatverdächtige werden festgesetzt, der Fall scheint gelöst, das unter Druck geratene Innenministerium gibt Entwarnung - große Erleichterung.

Kriminalkommissar Martin Bremer misstraut dem raschen Erfolg. Sein Gefühl sagt ihm, dass die Satanisten nur Bauernopfer in einem grausamen Spiel sind. Von seinen Zweifeln, der häuslichen Einsamkeit und den emotionalen Wirren seiner Midlifecrisis übermannt, verlässt er sich auf seinen Bauch, nimmt Urlaub und ermittelt auf eigene Faust. Spätestens da wird klar, dass die vermeintliche Provinz über ein kriminelles Potenzial verfügt, bei dem die Bronx schnell mit einem Kinderspielplatz verwechselt werden kann. Bremers Spur führt in die Lokalpolitik, zur bevorstehenden OB-Wahl. Als er endlich beweisen kann, wer die Fäden in der Hand hat, ist es fast zu spät. Was folgt, sind 40 Seiten Hochspannung mit wohlproportioniertem psychologischem Tiefgang und permanent feuchten Händen. Beim Showdown in der Hochofengruppe Dillingen wird man die Vermutung nicht los, dass das Multitalent Conrath - er arbeitet als Journalist, Musiker, Schauspieler und Werbetexter - sich demnächst in der Filmbranche versuchen wird: Bildmächtiger, atemberaubender und leinwandtauglicher kann man eine Verfolgungsjagd nicht einfangen. Da hilft nur noch Zelluloid. chh

Martin Conrath: Stahlglatt. Emons Verlag, 288 Seiten, neun Euro.